Aktuelles
Die Intervention der Bundeswehr an Hochschulen hat in den letzten Jahren bedenkliche Ausmaße angenommen. Insbesondere über das Simulationsspiel Pol&Is aber auch durch Seminare und Vorträge der Jugendoffiziere wird von Seiten der Bundeswehr auf die Hochschulbildung Einfluss genommen. Das zeigt die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE zum Thema „Bildungs- und Kooperationsangebote der Bundeswehr in Hochschulen.
Die Bundesregierung stellt in ihrer Antwort dar, dass das Simulationsspiel Pol&IS der Bundeswehr, bei dem die TeilnehmerInnen mit einem Politik-, einem Wirtschafts- und einem Militärbaustein Entwicklungen in den internationalen Beziehungen nachspielen, bereits an rund 10 staatlichen Hochschulen (darunter unter anderem die Universitäten in Bonn, Kassel, Erfurt und Leipzig sowie die Fachhochschulen in Potsdam und Schmalkalden) regelmäßig durchgeführt wird. Die Bundesregierung bewertet den Lerneffekt des Simulationsspieles als „umfassend und positiv“ und stellt weiter dar, dass bei dem Spiel „alle Konfliktlösungsstrategien berücksichtigt werden“ – also auch militärische Konfliktlösungsstrategien.
Zu einigen Hochschulen bestehen laut der Antwort der Bundesregierung „erfreulich intensive Kooperationen“ der Jugendoffiziere der Bundeswehr. Namentlich aufgeführt werden – neben einzelnen privaten Hochschulen - die Universitäten in Tübingen, Kiel, Bremen, Göttingen, Erfurt, Köln, Kassel, Kaiserslautern, Bonn, Duisburg, Cottbus und Nürnberg-Erlangen sowie die Universität der Künste in Berlin und die Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Zurückzuführen sind diese „erfreulich intensiven Kooperationen“ nach Auskunft der Bundesregierung auf die Angebote der Jugendoffiziere sowie persönliche Kontakte zum Lehrkörper.
Neben dem Simulationsspiel Po&Is sind die Jugendoffiziere vor allem durch Seminare und Vorträge an den Hochschulen präsent. An vier staatlichen Hochschulen – der Universität in Erfurt, der Universität in Hamburg, der Universität der Künste und der Fachhochschule Verwaltung und Recht in Berlin- erhalten die Studierenden als Gegenzug für die Teilnahme an Seminaren der Jugendoffiziere ECTS-Punkte in ihrem Studiengang angerechnet. Die Angebote beziehen sich auf unterschiedlichste Studiengänge. Beispiele sind Mediendesign, International Business oder Wahlmodule im Rahmen des Studium Fundamentale. Die Bundesregierung hat auch gegen diese Kooperation nichts einzuwenden. Auch diese bewertet sie als positiv und möchte diese Zusammenarbeit auch zukünftig fortsetzen und erweitern.
Ob solche Kooperationen zwischen Bundeswehr und Hochschulen weiter zustande kommen, darüber entscheidet nach Auskunft der Bundesregierung „das Lehrpersonal frei, unabhängig und individuell“. Und – so müsste man ergänzen: Es liegt auch daran, ob sich Protest gegen solche Kooperationen regt und ob Studierende und MitarbeiterInnen der Hochschule gegen diese Kriegswissenschaft Widerstand organisieren.
Zum Weiterlesen:
Unsere Anfrage an die Bundesregierung
Die Antwort der Bundesregierung in der vorläufigen Fassung




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